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Lage und Perspektive im Einzelhandel

Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal 2019 um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gesunken. Ursache für die schwache wirtschaftliche Entwicklung war das globale wirtschaftliche Umfeld mit Handelskonflikten, geopolitischen Krisen und dem Brexit. Dies hat insbesondere die stark exportorientierte deutsche Industrie getroffen.

Der Konsum entwickelt sich in diesem Umfeld robust und trotzt dem gesamtwirtschaftlichen Abwärtstrend. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass die konjunkturelle Abkühlung den Arbeitsmarkt bisher noch nicht erreicht hat. Die Zahl der Erwerbstätigkeit lag im Juli bei rund 45,1 Millionen Personen. Dies sind 358.000 Personen (+0,8 Prozent) mehr, als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Auch die Arbeitnehmerentgelte sind kräftig gestiegen. Die Bruttolöhne und -gehälter der Arbeitnehmer lagen im zweiten Quartal rund 4,9 Prozent über dem Niveau des zweiten Quartals 2018. Bei den Nettolöhnen und -gehältern betrug der Anstieg 4,8 Prozent.

Die Verbraucher nehmen den aktuellen gesamtwirtschaftlichen Abschwung zur Kenntnis, ihre Stimmung bleibt jedoch stabil. Der eigene Arbeitsplatz und steigende Einkommen wirken aktuell noch deutlich positiver, als konjunkturelle Negativeffekte. Das HDE-Konsumbarometer steigt dementsprechend im September leicht auf einen Wert von 100,01 Punkten. Dies sind 0,28 Punkte mehr als im Vormonat. Insbesondere die Anschaffungsneigung und die Einkommenserwartungen haben sich zuletzt deutlich erholt und kompensieren schlechtere Konjunkturerwartungen.

Die wirtschaftliche Situation im Einzelhandel hat sich gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert. Nach den Ergebnissen der HDE-Konjunkturumfrage im Sommer 2019 steigt der Saldo aus guten und schlechten Bewertungen auf +8 Punkte (Vorjahr +2). Immerhin 40 Prozent der Einzelhändler erwarten für das Gesamtjahr 2019 steigende Erlöse. 36 Prozent rechnen mit einem Umsatzrückgang. Im Zeitraum Januar bis Juli stiegen die Einzelhandelsumsätze nominal um 3,1 Prozent auf 306,5 Milliarden Euro (+9,4 Mrd. Euro zum Vorjahr), preisbereinigt ein Plus von 2,6 Prozent.

Von den insgesamt guten Rahmenbedingungen profitieren jedoch nicht alle Bereiche des Einzelhandels in gleichem Maße. Abermals sind es die kleinen und mittelständischen Betriebe mit weniger als 10 Beschäftigten, die eine deutlich schlechtere Umsatz- und Gewinnentwicklung zeigen. Der Aufwärtstrend der letzten Jahre geht am mittelständischen Einzelhandel in vielen Fällen vorbei. Neben dem erheblichen Wettbewerbsdruck berichten die Unternehmen von erheblichen bürokratischen und steuerlichen Belastungen. Bürokratieabbau konsequenter als bisher zu betreiben, ist daher das Gebot der Stunde.

Daneben sollte der Mittelstand bei seinem weiteren Weg in die Digitalisierung unterstützt werden. Die Bundesregierung ist hier mit ihrem etablierten Netzwerk der Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren auf dem richtigen Weg. Auch Anwendungen von Künstlicher Intelligenz (KI) können dem Handel helfen. Algorithmen und KI erschließen neue Dimensionen der Prozessoptimierung, Personalisierung und Entscheidungsgenauigkeit, die auch der mittelständische Handel perspektivisch nutzen muss.

Ein weiteres Thema, das den Einzelhandel stark beschäftigt, ist die Energiepolitik. Das Abgaben- und Umlagesystem im Energiebereich muss neu strukturiert werden. Ein sektorenübergreifender und europäisch anschlussfähiger CO2-Preis wäre der richtige Ansatz. Nur so kann der Klimaschutz in den Mittelpunkt der Energiewende gerückt und echte Anreize zur CO2-Einsparung gesetzt werden.

Insgesamt bleiben die Rahmenbedingungen für den Einzelhandel als Nachläufer im Konjunkturzyklus in 2019 günstig. Der Einzelhandel (ohne Kraftfahrzeuge, Tankstellen, Brennstoffe, Apotheken) wird seine Erlöse 2019 moderat erhöhen können. Der Umsatz (ohne Mehrwertsteuer) wird nach Prognose des HDE um 2,0% auf 537,4 Milliarden Euro steigen. Preisbereinigt wird das Umsatzplus rund 0,5% betragen. Der stationäre Einzelhandel wächst 2019 um nominal 1,3%. Der Online-Handel erhöht seine Erlöse um rund 9% auf 57,8 Milliarden Euro und steht damit für fast die Hälfte des absoluten Jahreswachstums.



Umweltbonus noch sicher

Bis Mitte des Jahres gibt es den Umweltbonus für Elektrofahrzeuge mit 4.000 EUR sicher, eine Verlängerung ist möglich. Nicht damit zu verwechseln ist die Umweltprämie. Dabei müssen ältere Diesel-Fahrzeuge gegen „saubere“ Neue oder Gebrauchte Elektrofahrzeuge eingetauscht werden, damit die Prämie in Höhe von 4.000 EUR beansprucht werden kann. Die Umweltprämie kommt je zur Hälfte von den Automobilherstellern und von der BAFA. Für Unternehmer lohnt ein Blick in die Liste der für den Umweltbonus qualifizierten Fahrzeuge. Staatliche Förderungen für Limousinen, Kombis und leichte Nutzfahrzeuge können für den Austausch der vom Fahrverbot bedrohten Dieselfahrzeuge erlangt werden. Der zunächst bis Mitte 2019 befristete Umweltbonus wurde bislang nur zögerlich abgerufen, weshalb eine Verlängerung der Förderung sicher ist. Es gibt auch regionale Förderprogramme von Ländern und Kommunen, die mit dem Umweltbonus teilweise kombinierbar sind. Für Unternehmer sind noch andere Zuschüsse und steuerliche Begünstigungen für bestimmte Fahrzeuge denkbar. Auch die Entscheidung, ob Kauf oder Leasing für das Fahrzeug Vorteile bringt, sollte durch steuerliche Beratung geklärt werden. Die zum 01.01.2019 eingeführte reduzierte Besteuerung der Privatnutzung mit 50 Prozent des Bruttolistenpreises könnte ebenfalls die Entscheidung der Anschaffung eines Elektrofahrzeuges begünstigen.



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